{"id":66,"date":"2016-11-17T10:09:33","date_gmt":"2016-11-17T10:09:33","guid":{"rendered":"http:\/\/klinkerfuss-psychotherapie.de\/?page_id=66"},"modified":"2026-03-22T16:21:19","modified_gmt":"2026-03-22T16:21:19","slug":"systemische-therapie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.klinkerfuss-psychotherapie.de\/?page_id=66","title":{"rendered":"Systemische Therapie"},"content":{"rendered":"\n<p>Die&nbsp;<strong>systemische Therapie<\/strong>&nbsp;wurde 2008 vom Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie als wissenschaftlich anerkanntes Verfahren best\u00e4tigt und ist seit 2019 als&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.g-ba.de\/presse\/pressemitteilungen\/775\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.g-ba.de\/presse\/pressemitteilungen\/775\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Richtlinienverfahren<\/a>&nbsp;Teil der gesetzlichen Krankenversorgung. Ihre Wurzeln liegen in der Familientherapie, heute findet sie Anwendung in der Arbeit mit Einzelnen, Paaren, Familien und Gruppen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch genau genommen gibt es&nbsp;<strong>nicht \u201edie\u201c systemische Therapie<\/strong>&nbsp;&#8211; sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Denkmodelle und methodischer Zug\u00e4nge. Gemeinsame Grundlage ist ein bestimmtes Verst\u00e4ndnis von&nbsp;<strong>Komplexit\u00e4t<\/strong>, das sich aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen speist. Zentral sind etwa die&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Autopoiesis\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Autopoiesis\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Theorie autopoietischer Systeme<\/a>, der&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Radikaler_Konstruktivismus\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Radikaler_Konstruktivismus\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">radikale Konstruktivismus<\/a>, die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Systemtheorie_(Luhmann)\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Systemtheorie_(Luhmann)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">soziologische Systemtheorie<\/a>, die&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kybernetik_zweiter_Ordnung\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kybernetik_zweiter_Ordnung\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kybernetik 2. Ordnung<\/a>,&nbsp;oder die&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gesetze_der_Form\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gesetze_der_Form\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Laws of Form<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Denkans\u00e4tze ver\u00e4ndern den Blick auf Probleme grundlegend: Psychische oder psychosomatische Symptome werden nicht als \u201eSt\u00f6rung\u201c verstanden, sondern als intelligente, aber im Ergebnis oft leidvolle\u00a0<strong>Selbstorganisationsprozesse<\/strong>\u00a0mit einer eigenen inneren Logik. Symptome werden nicht als Problem betrachtet &#8211; sondern als L\u00f6sung f\u00fcr ein Problem (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gunther_Schmidt_(Mediziner)\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gunther_Schmidt_(Mediziner)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gunther Schmidt<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Systemische Therapeut*innen verstehen sich nicht als \u201eWahrheitsexperten\u201c, die Diagnosen verk\u00fcnden oder L\u00f6sungen \u201everordnen\u201c. Vielmehr interessieren sie sich f\u00fcr die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/lexikon\/psychologie\/wirklichkeitskonstruktion\/16877\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.spektrum.de\/lexikon\/psychologie\/wirklichkeitskonstruktion\/16877\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wirklichkeitskonstruktionen<\/a>, \u00dcberzeugungen und Geschichten, mit denen Menschen ihr Erleben organisieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zentrum der therapeutischen Zusammenarbeit steht ein <strong>respektvoller, neugieriger Dialog<\/strong>, in dem alte Vorannahmen irritiert, neue Perspektiven entdeckt und n\u00fctzlichere Interpretationen entwickelt werden k\u00f6nnen. Dieser Dialog kann sich dabei ganz unterschiedlich entfalten: im Gespr\u00e4ch ebenso wie in der Arbeit mit inneren Bildern, K\u00f6rperempfindungen, Aufstellungen im Raum oder imaginativen Prozessen. Dazu geh\u00f6rt nicht nur die W\u00fcrdigung leidvoller Erfahrungen, sondern vor allem auch das (Wieder-)Entdecken von\u00a0<strong>F\u00e4higkeiten, Ressourcen und Kompetenzen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Systemisches Denken richtet den Blick nicht nur nach innen, sondern auch auf das, was sich\u00a0<strong>zwischen Menschen<\/strong> abspielt. Welche Bedeutung hat ein Symptom im sozialen Kontext? Welche R\u00fcckwirkungen erzeugen Ver\u00e4nderungen im Beziehungssystem &#8211; im privaten oder beruflichen Umfeld? Und welche Dynamiken sorgen daf\u00fcr, dass bestimmte Muster aufrechterhalten werden, selbst wenn sie leidvoll sind?<\/p>\n\n\n\n<p>Ob in der Arbeit mit innerem Erleben, famili\u00e4rer Kommunikation oder K\u00f6rperempfindungen: Ziel ist es, <strong>hilfreiche Muster zu st\u00e4rken<\/strong>, einschr\u00e4nkende zu <strong>flexibilisieren<\/strong> und neue M\u00f6glichkeiten im Umgang mit sich selbst und anderen erfahrbar zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die&nbsp;systemische Therapie&nbsp;wurde 2008 vom Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie als wissenschaftlich anerkanntes Verfahren best\u00e4tigt und ist seit 2019 als&nbsp;Richtlinienverfahren&nbsp;Teil der gesetzlichen Krankenversorgung. Ihre Wurzeln liegen in der Familientherapie, heute findet sie Anwendung in der Arbeit mit Einzelnen, Paaren, Familien und Gruppen. Doch genau genommen gibt es&nbsp;nicht \u201edie\u201c systemische Therapie&nbsp;&#8211; sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Denkmodelle und methodischer Zug\u00e4nge. Gemeinsame Grundlage ist ein bestimmtes Verst\u00e4ndnis von&nbsp;Komplexit\u00e4t, das sich aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen speist. Zentral sind etwa die&nbsp;Theorie autopoietischer Systeme, der&nbsp;radikale Konstruktivismus, die soziologische Systemtheorie, die&nbsp;Kybernetik 2. Ordnung,&nbsp;oder die&nbsp;Laws of Form. Diese Denkans\u00e4tze ver\u00e4ndern den Blick auf Probleme grundlegend: Psychische oder psychosomatische Symptome werden nicht als \u201eSt\u00f6rung\u201c verstanden, sondern als intelligente, aber im Ergebnis oft leidvolle\u00a0Selbstorganisationsprozesse\u00a0mit einer eigenen inneren Logik. Symptome werden nicht als Problem betrachtet &#8211; sondern als L\u00f6sung f\u00fcr ein Problem (Gunther Schmidt). Systemische Therapeut*innen verstehen sich nicht als \u201eWahrheitsexperten\u201c, die Diagnosen verk\u00fcnden oder L\u00f6sungen \u201everordnen\u201c. Vielmehr interessieren sie sich f\u00fcr die\u00a0Wirklichkeitskonstruktionen, \u00dcberzeugungen und Geschichten, mit denen Menschen ihr Erleben organisieren. Im Zentrum der therapeutischen Zusammenarbeit steht ein respektvoller, neugieriger Dialog, in dem alte Vorannahmen irritiert, neue Perspektiven entdeckt und n\u00fctzlichere Interpretationen entwickelt werden k\u00f6nnen. Dieser Dialog kann sich dabei ganz unterschiedlich entfalten: im Gespr\u00e4ch ebenso wie in der Arbeit mit inneren Bildern, K\u00f6rperempfindungen, Aufstellungen im Raum oder imaginativen Prozessen. Dazu geh\u00f6rt nicht nur die W\u00fcrdigung leidvoller Erfahrungen, sondern vor allem auch das (Wieder-)Entdecken von\u00a0F\u00e4higkeiten, Ressourcen und Kompetenzen. Systemisches Denken richtet den Blick nicht nur nach innen, sondern auch auf das, was sich\u00a0zwischen Menschen abspielt. Welche Bedeutung hat ein Symptom im sozialen Kontext? Welche R\u00fcckwirkungen erzeugen Ver\u00e4nderungen im Beziehungssystem &#8211; im privaten oder beruflichen Umfeld? Und welche Dynamiken sorgen daf\u00fcr, dass bestimmte Muster aufrechterhalten werden, selbst wenn sie leidvoll sind? Ob in der Arbeit mit innerem Erleben, famili\u00e4rer Kommunikation oder K\u00f6rperempfindungen: Ziel ist es, hilfreiche Muster zu st\u00e4rken, einschr\u00e4nkende zu flexibilisieren und neue M\u00f6glichkeiten im Umgang mit sich selbst und anderen erfahrbar zu machen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":1,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-66","page","type-page","status-publish","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.klinkerfuss-psychotherapie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/66","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.klinkerfuss-psychotherapie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.klinkerfuss-psychotherapie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klinkerfuss-psychotherapie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klinkerfuss-psychotherapie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=66"}],"version-history":[{"count":202,"href":"https:\/\/www.klinkerfuss-psychotherapie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/66\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3544,"href":"https:\/\/www.klinkerfuss-psychotherapie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/66\/revisions\/3544"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.klinkerfuss-psychotherapie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=66"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}